Interview mit Martin van Leeuwen, Director, Technology & Market Development, International Zinc Association
Neue Perspektiven für Zink

Martin van Leeuwen, Direktor für Technologie- und Marktentwicklung bei der International Zinc Association (IZA), sprach kürzlich mit Foundry-Planet über die Chancen und Herausforderungen für Zinklegierungen. Van Leeuwen, der in den Niederlanden ansässig ist, verantwortet alle Marktentwicklungsprojekte, die das Wachstum und den Einsatz von Zink in verschiedenen Anwendungsbereichen – darunter der Druckguss – fördern. Zudem äußerte er sich zu einem aktuellen Bericht der IZA, der bis zum Jahr 2035 eine steigende Nachfrage nach Zinkdruckguss prognostiziert. Die International Zinc Association ist eine weltweit tätige Organisation mit Niederlassungen in mehreren Ländern und ihrem Hauptsitz in North Carolina (USA).
In unserem Interview erläuterte van Leeuwen, dass zu den wesentlichen Faktoren für die steigende Zinknachfrage technologische und demografische Veränderungen, der Aufstieg der Elektromobilität sowie die zunehmende Urbanisierung, schrumpfende Haushaltsgrößen und die Ausweitung der Konsummärkte der Mittelschicht zählen. Allerdings unterscheidet sich die Nachfrage in Europa, Nordamerika und Asien; laut van Leeuwen ist dies auf unterschiedliche Trends beim Bevölkerungswachstum sowie auf Unterschiede beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) der jeweiligen Länder zurückzuführen. Indien ist hierfür ein gutes Beispiel, bedingt durch eine starke heimische Druckgussindustrie, eine wachsende Mittelschicht, günstige Exportbedingungen sowie vergleichsweise niedrige Lohnkosten. All diese Faktoren machen Indien zu einem wahrscheinlichen Kandidaten für einen bedeutenden Exporteur von Zinkdruckgussteilen.
Zink als Spitzenreiter bei der Energiewende und kohlenstoffarmen Technologien

Mit der zunehmenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen haben sich neue Einsatzmöglichkeiten für Zinkdruckgussteile eröffnet, da diese für Steckverbinder von Strom- und Signalkabeln, Sensorgehäuse sowie sonstige elektrische Komponenten verwendet werden können. Auch die Solar- und Windenergiebranche setzt auf Bauteile aus Zink – etwa bei Solaranlagen, wo Halterungen und Klemmen aus Zink zum Einsatz kommen. Dank seiner guten elektrischen und thermischen Leitfähigkeit sowie seiner hervorragenden Gießbarkeit eignet sich Zink ideal für elektrische Bauteile und Verarbeitungseinheiten.
Obwohl diese Eigenschaften bereits weithin bekannt sind, trägt die IZA dazu bei, das Bewusstsein für den Einsatz von Zink in diesen Bereichen zu schärfen – etwa durch Webinare und Gespräche mit Verbänden aus den jeweiligen Absatzmärkten, um für die Verwendung von Zinkdruckgussteilen in deren Produkten zu werben. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist das jährliche Webinar der IZA für die Society of Automotive Engineers. Van Leeuwen hebt zudem einen weiteren wesentlichen Vorteil von Zink hervor: Es verfügt im Vergleich zu anderen Metallen über herausragende Korrosionsschutzeigenschaften. Sollten Zinkgussteile aufgrund aggressiverer Umgebungsbedingungen dennoch einen zusätzlichen Korrosionsschutz benötigen, lassen sie sich durch galvanische Metallbeschichtungen oder organische Schutzschichten weiter schützen. Solche Beschichtungen können auch aus ästhetischen Gründen aufgebracht werden, wenn die Gussteile im Sichtbereich zum Einsatz kommen – etwa bei Türgriffen, Dusch- und Sanitärarmaturen, Reißverschlüssen oder Uhren.
Nachhaltigkeit und Zink gehen Hand in Hand
Schon heute spielt recyceltes Zink eine bedeutende Rolle bei der Deckung des weltweiten Bedarfs. Recyceltes Zink leistet einen wesentlichen Beitrag in allen wichtigen Anwendungsbereichen, während die konventionelle Zinkproduktion stabil geblieben ist. Die Menge an Zink aus Recyclingquellen ist stetig gestiegen – von rund drei Millionen Tonnen im Jahr 2010 auf heute etwa fünf bis sechs Millionen Tonnen. Diese jährliche Menge an recyceltem Zink berücksichtigt nur Material, dessen Herkunft glaubwürdig dokumentiert ist. Für van Leeuwen ist dieser Aspekt besonders wichtig im Hinblick auf Länder mit einem zwar etablierten, aber noch informellen und unzureichend dokumentierten Recyclingsektor. Aufgrund der fehlenden Dokumentation geht van Leeuwen davon aus, dass die tatsächliche Menge an recyceltem Zink weit über den bisherigen Schätzungen liegt. Zudem werden weltweit kontinuierlich Verbesserungen erzielt – sei es bei Recyclingtechnologien, Sammelsystemen oder Sortierverfahren –, sodass der Beitrag von recyceltem Zink voraussichtlich weiter wachsen wird. Diese Bemühungen zur verstärkten Nutzung von recyceltem Zink werden durch politische Rahmenbedingungen unterstützt, die die Kreislaufwirtschaft fördern.
Ein Aspekt, der bei recyceltem Zink bisweilen Bedenken hinsichtlich der Qualität hervorruft, ist der mögliche Gehalt an Verunreinigungen. Grundsätzlich gilt für alle Metalle, dass recycelte Varianten einen höheren Anteil an Fremdstoffen aufweisen können. Laut van Leeuwen lässt sich dieses Problem jedoch durch moderne Upcycling-Technologien lösen, mit denen das Recyclingmaterial wieder in einen sauberen und reinen Zustand versetzt werden kann. Beim Zink umfasst das Recycling in der Regel das Umschmelzen und – falls erforderlich – Raffinationsverfahren, um eine Materialqualität zu erzielen, die auch anspruchsvollen Anwendungen genügt. Das Umschmelzen erfordert typischerweise deutlich weniger Energie und verursacht einen geringeren CO₂-Fußabdruck als die Primärproduktion von Zink aus Erz. Generell bietet Recycling klare Umweltvorteile, insbesondere bei metallintensiven Anwendungen. Die Zinkindustrie hat bereits beachtliche Fortschritte auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft erzielt. Für van Leeuwen eignet sich Zink aufgrund seiner hohen Recyclingfähigkeit und des großen Anteils an Zink, der langfristig im Einsatz bleibt, hervorragend für die Kreislaufwirtschaft. Er nennt einige wichtige Ansatzpunkte zur Steigerung der Recyclingquoten: dazu gehören ein verbessertes Produktdesign, das Demontage und Recycling weiter erleichtert, sowie die Entwicklung fortschrittlicher, automatisierter Technologien zur Schrottsortierung.
ZAMAK-Legierungen: Qualität und Bedeutung
ZAMAK ist eine Gruppe von Legierungen auf Zinkbasis, die Aluminium, Magnesium und – je nach Sorte – auch Kupfer enthalten. Die IZA hat kürzlich eine Ökobilanz für ZAMAK-Legierungen aus recyceltem Zink erstellt. Es handelte sich dabei um die erste Studie ihrer Art, die sich auf sekundäre ZAMAK-Legierungen konzentrierte; dabei wurden 76 % der Produktion sekundärer ZAMAK-Legierungen in der Europäischen Union erfasst, wobei man auf die Daten der Hersteller zurückgriff. Die Ergebnisse sind äußerst vielversprechend, da sekundäre ZAMAK-Legierungen bei den untersuchten Indikatoren im Allgemeinen eine geringere Umweltbelastung aufwiesen als Primärlegierungen. Die gute Ökobilanz sekundärer ZAMAK-Legierungen ist auf einen im Vergleich zu Primärlegierungen geringeren Energieverbrauch und einen niedrigeren Verbrauch an Primärressourcen zurückzuführen, während die Gussteile eine vergleichbare zu erwartende Nutzungsdauer aufweisen. Auch wenn van Leeuwen und sein Team diese Ergebnisse erwartet hatten, lieferte die Studie nun konkrete Belege für die Leistungsfähigkeit sekundärer ZAMAK-Legierungen.
Konkurrenz für Bauteile aus Zinkdruckguss?
Es gibt verschiedene Materialien – darunter Metalle wie Aluminium und Messing, technische Kunststoffe sowie stranggepresste Metalle –, die als Konkurrenten von Zink gelten können. Bauteile aus Zinkdruckguss erfordern jedoch nur einen geringen Nachbearbeitungsaufwand, da sie kaum mechanisch bearbeitet oder entgratet werden müssen, was wiederum Fertigungs- und Materialkosten spart. Zudem zeichnet sich Zink durch einen niedrigen Schmelzpunkt und kurze Zykluszeiten in der Druckgussmaschine aus, was ebenfalls zu niedrigeren Teilekosten beiträgt. Van Leeuwen hebt die hohe Wirtschaftlichkeit von Zink hervor. Er betont zudem, dass – wie bei jedem Metall – die Materialsubstitution trotz steigender Nachfrage das Wachstum begrenzen könnte, und unterstreicht die Bedeutung von Kostenwettbewerb und Innovation als entscheidende Faktoren für die Weiterentwicklung des Zinkdruckgusses. Zusammenfassend bezeichnet van Leeuwen Zink als vielseitigen und nachhaltigen Werkstoff für die Herstellung von Gussteilen und Komponenten für die Automobilindustrie, den Sanitärbereich und die Baubeschlagindustrie; dies liegt daran, dass Zink aufgrund seines niedrigen Schmelzpunkts weniger Energie bei der Verarbeitung benötigt und zu 100 % recycelbar ist. Im Druckgussbereich punktet Zink insbesondere bei der Herstellung dünnwandiger Mikro-Gussteile. Für van Leeuwen heben sich Zinkdruckgussteile dank dieser Eigenschaften sowie ihrer hohen Beständigkeit und Langlebigkeit von der Konkurrenz ab, was ihre künftige Bedeutung im Kontext von Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit sichert.
Dieses Interview ist erschienen in FOUNDRY-PLANET
von Katharina Schmitt, 17. Juni 2026
Zur Originalpublikation: https://www.foundry-planet.com/d/new-perspectives-on-zinc/
Machinenübersetzt, Initative ZINK
